Direkt zum Inhalt der Seite


 

Foto: Bergdorf
Foto: Stiefel

Mehr Infos

Bei Wikipedia finden Sie umfangreiche Infos zu Afghanistan
de.wikipedia.org

 

Die modernere Geschichte

1838 - 1919

  • Erster englisch-afghanischer Krieg (1838 - 1842).
  • Zweiter englisch-afghanischer Krieg (1878).
  • Dritter englisch-afghanischer Krieg (1919).
  • In allen Auseinandersetzungen geht es um die Verteilung der Einflussgebiete in Mittelasien zwischen Russland und Großbritannien. Am Ende stand die Anerkennung Afghanistans als unabhängiger Staat.

1933 - 1973

  • Regierungszeit von König Mohammed Zahir Shah (1914-2007).

 

1961- 1963

  • Pakistan schließt die Grenze zu Afghanistan.
  • Pakistan befürchtet paschtunische Bestrebungen, die in beiden Staaten lebenden Paschtunen zu einigen.

 

1973

  • Staatsstreich des Prinzen Daoud, eines Vetters von König Zahir Shah mit Hilfe der Kommunisten, die zunächst wichtige Ämter in seiner Regierung erhalten. In der Folgezeit distanziert sich Daoud von den Kommunisten und enthebt sie ihrer Ämter.
  • Afghanistan wird Republik.


1974

  • Herat wird UNESCO-Weltkulturerbe 


1978

  • Präsident Daoud wird ermordet.
  • Ein prokommunistischer Staatsstreich bringt Mohammad Taraki und Hafizullah Amin an die Macht. Taraki unterzeichnet einen zwanzigjährigen Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion.

 

1979

  • Tarakis Politik: Modernisierung, Landreform, Beseitigung des Analphabetismus, Gleichberechtigung der Frau und engere Anlehnung an die UdSSR führen zu Aufständen der islamischen Traditionalisten in den Provinzen. Beginn einer Formierung der islamischen Opposition.
  • Taraki und sein Nachfolger Amin werden ermordet.
  • Einmarsch der sowjetischen Truppen unter Berufung auf den afghanisch-sowjetischen Freundschaftsvertrag
  • Die Sowjets setzen Babrak Karmal als Nachfolger ein.
  • Die Mudschaheddin (Widerstandskämpfer) beginnen einen Guerillakrieg gegen die Kommunisten. 

 

1980

  • Verurteilung der sowjetischen Invasion durch die UN-Vollversammlung
  • Eskalation des Bürgerkriegs.
  • Die antikommunistischen Kräfte werden durch die USA, Pakistan, China, Iran und Saudi-Arabien mit Geld und Waffen unterstützt.

 

1985

  • Die Zahl der afghanischen Flüchtlinge nach Pakistan erreicht nach UN-Statistiken die 1,7 Mio. Grenze.


1985

  • Eine größere Fluchtbewegung setzt ein.

 

1986

  • Mohamed Nadschibullah Ahmadsai ersetzt Karmal.

 

1987

  • Die in Kabul tagende Loja Dschirga (Große Ratsversammlung) bestätigt einstimmig Staats- und Parteichef Nadschibullah im Präsidentenamt und die neue Verfassung des Landes mit dem Islam als Staatsreligion und einem Mehrparteiensystem.

 

1988

  • Friedensvertrag zwischen Afghanistan, Pakistan, der Sowjetunion und den USA. Die sowjetischen Truppen beginnen sich zurückzuziehen.
  • Internationales Genfer Afghanistan-Abkommen.

 

1989

  • Der letzte sowjetische Soldat verlässt Afghanistan.
  • Die Mujaheddin bekämpfen Najibullah weiter.

 

1990

  • Viele Menschen fliehen. In den nächsten zehn Jahren verlassen 6,2 Millionen Flüchtlinge Afghanistan, die vor allem im Iran und Pakistan aufgenommen werden. 

 

1991

  • Kabul fällt.
  • Nadschibullah übergibt die Macht an die Mudschaheddin. Der Tadschike Rabbani wird nach einer Übergangslösung zum Präsidenten ausgerufen.

 

1994

  • Machtkampf zwischen Rabbani und Hekmatyar.
  • Eroberung Kandahars durch die Taliban (Koranschüler).

 

1995 - 1996

  • Die Taliban erobern Kabul, setzen Rabbani ab und exekutieren Najibullah. Ein streng islamisches Regime beginnt.

 

1998

  • US-Raketen auf Ausbildungslager von Osama bin Laden als Vergeltung für Anschläge auf US-Botschaften in Ostafrika.

 

1999

  • US–Embargo gegen die Taliban.

 

2001

  • Im März: Zerstörung der Buddhastatuen in Bamian durch die Taliban.
  • 09.09. Ermordung Ahmad Shah Massuds, des Führers der Nordallianz, der sich als letzter der Mudschaheddinführer gegen die Taliban behauptet hatte.
  • 11.09. Terrorattentat auf das World Trade Center (USA).
  • Angriff der USA auf das Taliban-Regime mit Unterstützung der NATO.
  • Die Angriffe treffen auch die Zivilbevölkerung. Eine riesige Fluchtbewegung setzt ein. Pakistan und Iran sperren die Grenzen. Es droht eine Katastrophe gewaltigen Ausmaßes. 
  • Erste Internationale Afghanistankonferenz auf dem Petersberg

 

2002

  • Hamid Karsai wird Übergangspräsident.
  • Die internationale Schutztruppe ISAF unter Führung Großbritanniens, später der Türkei, Deutschlands und der Niederlande, Führung Kanadas, des Eurokorps, der Türkei, Italiens, Großbritanniens und seit 2007 der USA wird aufgestellt.
  • Zweite internationale Afghanistan-Konferenz (Geberkonferenz) in Tokio, dritte Konferenz auf dem Petersberg
  • Eine Verfassung wird erarbeitet.
  • Größere Gruppen von Flüchtlingen, vor allem aus den Nachbarländern Pakistan und Iran kehren in ihre Heimat zurück. Viele bleiben allerdings in Kabul, weil sie sich hier am ehesten ein Auskommen versprechen.
  • Afghanistan rückt durch seinen Mohnanbau in vielen Bereichen des Landes, die nur von der Regierung kontrolliert werden, in die Kritik der Weltöffentlichkeit.

 

2003

  • Die Loja Dschirga, die traditionelle Versammlung der führenden Vertreter der Provinzen und Völker Afghanistans, verabschiedet eine neue Verfassung, in der auch die Rechte der Frauen garantiert werden.

 

2004

  • Verabschiedung der Verfassung (islamische Republik mit präsidialem System).
  • Wahl des Staatspräsidenten unter internationaler Aufsicht. Hamid Karsai wird mit klarer Mehrheit gewählt. Der von der ehemaligen Nordallianz unterstützte Kanuni scheitert.
  • Vierte internationale Afghanistankonferenz in Berlin. Die Fortsetzung der finanziellen Unterstützung des Wiederaufbaus und Maßnahmen gegen den Drogenanbau werden beschlossen. Die Truppenstärke der ISAF wird von 6500 auf 10000 Mann erhöht. Auch West- und Nordafghanistan gehören jetzt zum Einsatzgebiet.
  • Nach Unruhen in der Provinz Herat gelingt es Karsai, den dortigen Provinzgouverneur Ismail Khan auszuschalten und damit auch die hohen Zolleinnahmen in die Hand des Staates zu bekommen.

 

2005

  • Parlamentswahlen im Oktober.
  • Die Zahl der Attentate auf Regierungsmitglieder und Mitglieder von Hilfsorganisationen nimmt im Vorfeld der Parlamentswahlen deutlich zu.

 

2006

  • Das Parlament versagt fünf Kandidaten für Ministerämter die Zustimmung. 
  • Die Neubesetzung zeigt traditionalistische Tendenzen, die auch in einigen Gesetzesinitiativen hervortreten. (Beschränkung der Pressefreiheit).
  • Der Mohnanbau erreicht einen neuen Rekord. Die Bekämpfung des Mohnanbaus von Flugzeugen aus wird vom afghanischen Kabinett abgelehnt.
  • Deutschland entsendet sechs Tornado-Aufklärungsflugzeuge, die im gesamten afghanischen Luftraum operieren. Trotzdem bestehen weiterhin Spannungen zwischen den NATO-Staaten.
  • Die Unsicherheit wächst im ganzen Land. Besonders kritisch sind die Südprovinzen.
  • Afghanistan-Konferenz in London.

 

2007

  • Das umstrittene Amnestiegesetz wird verabschiedet, demzufolge wegen zwischen 1978 und 2001 begangenen Verbrechen vom Staat nicht mehr ermittelt wird.
  • Karsai führt Gespräche mit Vertretern der Taliban, um die Möglichkeiten eines Friedens zu sondieren.
  • Die Zahl krimineller und politsch motivierter Anschläge und Entführungen steigt erneut. Die Unsicherheit, gerade auch für NGO-Vertreter wächst im ganzen Land, besonders aber in den Südprovinzen.
  • Der Anteil Afghanistans an der Weltopiumproduktion steigt über 90%. Die Finanzierung der Taliban erfolgt unbestritten weitgehend durch die Drogenproduktion, in die auch prominente Politiker verwickelt sind.

2008

  • Pariser Afghanistan-Konferenz.
  • Der harte Winter 2007/2008 verschlechterte die humanitäre Situation vor allem der Nomaden durch die Zerstörung ihrer Existenzgrundlage durch den Tod vieler Tiere.
  • Zivile Opfer besonders unter Nomaden forderten die Temperaturen um die 20° minus, viele Tote durch Erfrieren und durch Atemwegserkrankungen.
  • Die Sicherheitslage verschlechterte sich 2008 vor allem im Süden und Südosten des Landes. 38 getötete und mehr als 140 entführte humanitäre Helfer (UNHCR), fast 4000 getötete afghanische Zivilisten (ARM).
  • Flüchtlinge: Insgesamt 278 000 Rückkehrer, von 232 000 Inlandsflüchtlingen kehren 6500 zurück.
  • Im November Kabulkonferenz.

 

2009

  • 20. August 2009 Wahlen für das Präsidentschaftsamt und zu den Provinzparlamenten. Wiederwahl Hamid Karsais zum Präsidenten.
  • 4. September: Luftangriff bei Kunduz auf zwei von Taliban gestohlene Tanklastwagen, dabei Bombardierung der in nächster Nähe befindlichen Menschen. Ein Offizier der bei Kunduz stationierten Bundeswehreinheit fordert den Bombenabwurf mit teilweise falschen Angaben an; er wird von zwei US-amerikanischen Flugzeugen ausgeführt. Durch den Angriff wurden 142 Menschen getötet – darunter viele Kinder und Jugendliche – und weitere verletzt, bisher mit Abstand größte Zahl von Opfern durch einen Einsatz sowohl in der Geschichte der Bundeswehr und als auch durch andere Kräfte der ISAF.
  • Zivile Opfer 2009: 6000 oder mehr (Internal displacement monitoring centre), davon laut UN 359 durch Einsätze der ISAF.
  • Anstieg der Inlandsflüchtlinge auf mindestens 297 000 Personen (1,1 % der Bevölkerung) nach Schätzungen der UNO.
  • ca. 57 000 Rückkehrer aus dem Ausland, davon 51 000 aus Pakistan.

 

2010

  • 28. Jan.: internationale Afghanistan-Konferenz in London
  • 21. Juli : internationale Afghanistan-Konferenz in Kabul.
  • Laut ARM: schlechtestes Jahr seit der US-Invasion, mehr zivile Tote, Anstieg der Gewalt.
  • Zivile Opfer: bis Mitte des Jahres laut ARM 1074 getötete Zivilisten und 1500 Verletzte in Kämpfen und durch Anschläge.
  • Flüchtlinge: 2010 mehr als 100 000 Rückkehrer nach Afghanistan, davon ca. 95 000 aus Pakistan.
  • Abzug der Aufklärungs-Tornados der Bundeswehr aus Afghanistan.
  • August: Entdeckung neuer Ölfelder im Norden Afghanistans
  • China beginnt den Abbau von Kupfer in Afghanistan für 3,5 Milliarden Dollar und die Modernisierung der Infrastruktur der Provinz Logar, wo die Kupfervorkommen liegen.
  • Parlamentswahl 18. September.
  • im Herbst Friedens Dschirga: Gespräche der afghanischen Regierung mit den Taliban.
  • 18. Sept. 2010: Parlamentswahlen in Afghanistan. Fast ein Viertel der abgegebenen Stimmen wurden 2011 für ungültig erklärt und nicht gewertet.
  • Zivile Opfer des Jahres 2010: 2400 tote Zivilisten, 2010 ist damit das verlustreichste des gesamten Krieges. (Afghanistan Rights Monitor-Report).
  • Nach dem UNAMA Report 2010: 4343 zivile Verletzte.

2011

  • Jan. 2011.: Kabinett beschließt Verlängerung des Mandats bis zum 31. Jan. 2012. 2011 sind 4600 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Neues Ein-Jahres-Mandat erlaubt möglichen Einsatz von 5350, letzte Bundeswehrsoldaten sollen 2014 abziehen.
  • 17. Februar 2011: 65 tote Zivilisten, darunter 40 Kinder bei Nato-Offensive in der stafrikanischen Provinz Kunar. Entschuldigung der ISAF.
  • März 2011: Koranverbrennung durch radikalen Südstaatenprediger Terry Jones, der bereits im September 2010 angekündigt hatte, Korane zu verbrennen, es aber dann nicht durchführte. 2011 kam es nach der Koranverbrennung zu gewalttätigen Protesten gegen westliche Einrichtungen
  • 2. Mai 2011: Osama Bin Laden wird von einem US.- Einsatzkommando in Abottabad in Pakistan in seinem Haus erschossen.
  • Mai 2011: nach der US-Administration macht auch der deutsche Verteidigungsminister de Maizière klar, dass auch nach 2014 die Bundeswehr zu Zwecken der Ausbildung und anderer Hilfeleistungen in Afghanistan präsent sein. -
  • Mitte 2011: insgesamt 130.670 NATO-Soldaten in Afghanistan
  • 22. November 2011: Loya Dschirga (»Große Ratsversammlung«, 2000 Mann) in Kabul stimmt für die unbefristete Militärpräsenz in Afghanistan.
  • 5. Dezember 2011: Bonner Afghanistan-Konferenz unter afghanischem Vorsitz (Petersberg II)
  • Zivile Opfer 2011: Mit 3021 zivilen Opfern das verlustreichste seit 2001. 2332 Tote sollen Aufständige zu verantworten haben, »nur« 420 seien durch Militäreinsätze getötet worden, davon 63 bei nächtlichen Razzien und 187 bei Luftangriffen.  (UNAMA-Report)
  • Flüchtlingszahlen: UNHCR: insgesamt mehr als 5,7 Rückkehrer, von denen 4,6 Millionen vom UNHCR unterstützt werden. In der 1. Hälfte 2011 rapider Anstieg der durch Konflikte verursachten Fluchtbewegungen: 100.000 neue Inlandsflüchtlinge, insgesamt nach UNHCR Angaben 500.000. Ende Januar 2011: nach Angaben des iDMC (internal Displacement Monitoring Centre): noch 309.000 Inlandsflüchtlinge (von ursprünglich insgesamt 730 000 Menschen seit 2006, die aufgrund bewaffneter Konflikte zu Flüchtlingen wurden).

2012

  • Januar 2012: auf einem Video urinieren US-Marines auf die Leichen von Taliban-Kämpfern.
  • Februar 2012: US-Soldaten in Bagram verbrennen »versehentlich« Koranexemplare in einer Müllverbrennungsanlage, was starke Proteste im ganzen Land auslöst.
  • März 2012: US-Soldat dringt in der Provinz Kandahar in die Häuser von Zivilisten ein und tötet 16 Menschen, darunter neun Kinder. Die US-Regierung spricht vom Amoklauf eines Einzeltäters, der entgegen dem Verlangen der afghanischen Regierung in den USA vor Gericht gestellt werden soll. Eine afghanische Untersuchungskommission von Parlamentsabgeordneten ss an dem Massaker bis zu 20 Soldaten beteiligt waren.
  • Bis April 2012: 6434 Inlandsflüchtlinge (UNHCR)

Verwendete Literatur

  • Wikipedia Afghanistan neuere Geschichte
  • Antirassistisch-Interkulturelles Informationszentrum ARiC Berlin e.V. Afghanistan, Geschichte Afghanistans - Chronik von den Anfängen bis Dezember 2002
  • Bernhard Chiari (Militärgeschichtliches Forschungsinstitut (MGFA): Wegweiser zur Geschichte - Afghanistan, 3. Aufl. 2009
  • UNAMA Report 2009 (United Nations;)
  • Friedensratschlag (AG Friedensforschung der Uni-Kassel) Afghanistan Cronik
  • UNHCR 2010 Country Operations Profile - Afghanistan, http://www.unhcr.org
  • Afghanistan Rights Monitor (ARM)
  • IMI (Informationsstelle Militarisierung: Afghanistan)
  • Haid/Schürkes/Wagner: Experimentierfeld Afghanistan - zehn Jahre Krieg und kein Ende in Sicht, Tübingen 2011
  • Imi: Afghanistan_Factsheet 2011

    Ergänzt im April 2012 von Dr. Yvonne El Saman

     

 

© Deutsch-Afghanische Initiative           Impressum
Unterstützt von:   Lekkerwerken – Design & Medienkommunikation   &   Alex Wenz _ Digitale Medien